Ein schwächerer US-Dollar kann Verluste durch fallende Kurse am US-Aktienmarkt verstärken. Wir erläutern die Hintergründe.

  • Die Abwertung des US-Dollar der vergangenen Monate hat mehrere Ursachen, die unter anderem in der Wirtschaft, an den Märkten und in der Geopolitik zu finden sind.
  • Ein „Hedging“ von Währungsrisiken mag auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, doch eine Währungsabsicherung ist kein Allheilmittel.
  • Ein diversifiziertes Multi-Asset-Portfolio kann womöglich besser vor Volatilität schützen.

„Währungsabsicherungen sind als Schutz gegen kurzfristige Volatilität gedacht; langfristig kann ein Hedging teuer werden und zulasten der Rendite gehen.“

(C) Lukas Brandl-Cheng – Investment Strategy Analyst, Vanguard, Europe

 

In diesem Jahr hat der US-Dollar gegenüber den meisten wichtigen Währungen deutlich abgewertet. Dass dieser Trend bereits vor der Ankündigung der US-Zölle am 2. April zu beobachten war, liegt daran, dass die Märkte bereits vorher eine Konjunkturabkühlung in den USA noch in diesem Jahr erwartet hatten.

Allerdings haben die Ankündigungen den Abwärtstrend erheblich beschleunigt, denn Zölle erhöhen die Unsicherheit weiter. Dies ist insofern ungewöhnlich, da höhere Unsicherheit in der Vergangenheit meist eine Flucht in sichere Häfen und daher eine Aufwertung der US-Währung ausgelöst hat.

Der Dollar-Höhenflug ist vorbei

Seit der Einführung des Euro im Jahr 1999 haben Wechselkursschwankungen die relative Wertentwicklung europäischer gegenüber US-Aktien maßgeblich beeinflusst. Europäische Anlegerinnen und Anleger konnten von der Aufwertung des Greenback profitieren und zum Beispiel mit US-Aktien noch höhere Renditen erzielen, wenn sie auf eine Absicherung von Wechselkursrisiken verzichteten. Die kombinierte Stärke des US-Aktienmarktes und der US-Währung war für Anlegerinnen und Anleger aus dem Euroraum in den letzten zehn Jahren also von Vorteil, könnte jedoch der Vergangenheit angehören. Abbildung 1 schlüsselt die Renditedifferenz zwischen europäischen und US-amerikanischen Aktien nach Wechselkursschwankungen und Kursentwicklung auf.

Annualisierte 10-Jahres-Nachlauf-Renditen für europäische minus US-amerikanische AktienZeigt die nachlaufende annualisierte 10-Jahres-Rendite Schweizer Aktien gegenüber US-Aktien für den Zeitraum von 1981 bis 2021. Die Renditen werden in die folgenden zwei Komponenten unterteilt: - Währungseffekt (blaugrüne Balken): Die blaugrünen Balken veranschaulichen den Einfluss von Wechselkursschwankungen zwischen dem Schweizer Franken (CHF) und dem US-Dollar (USD). Balken über der Nullmarke zeigen eine Aufwertung des CHF gegenüber dem USD an, Balken unter der Nullmarke dagegen eine Abwertung des CHF. - Wertentwicklung Schweizer Aktien (goldene Balken): Die wechselkursneutrale Wertentwicklung Schweizer Aktien im Vergleich zu US-Aktien. Balken über der Nullmarke zeigen Mehrrenditen Schweizer Aktien an, Balken unter der Nullmarke dagegen Minderrenditen. - Gesamtrendite (schwarze Linie): Die schwarze Linie bildet den kumulativen Effekt von Wechselkursschwankungen und der Wertentwicklung Schweizer Aktien ab und zeigt die Gesamtrendite Schweizer Aktien im Verhältnis zu US-Aktien in CHF.

Zeigt die nachlaufende annualisierte 10-Jahres-Rendite Schweizer Aktien gegenüber US-Aktien für den Zeitraum von 1981 bis 2021. Die Renditen werden in die folgenden zwei Komponenten unterteilt: - Währungseffekt (blaugrüne Balken): Die blaugrünen Balken veranschaulichen den Einfluss von Wechselkursschwankungen zwischen dem Schweizer Franken (CHF) und dem US-Dollar (USD). Balken über der Nullmarke zeigen eine Aufwertung des CHF gegenüber dem USD an, Balken unter der Nullmarke dagegen eine Abwertung des CHF. - Wertentwicklung Schweizer Aktien (goldene Balken): Die wechselkursneutrale Wertentwicklung Schweizer Aktien im Vergleich zu US-Aktien. Balken über der Nullmarke zeigen Mehrrenditen Schweizer Aktien an, Balken unter der Nullmarke dagegen Minderrenditen. - Gesamtrendite (schwarze Linie): Die schwarze Linie bildet den kumulativen Effekt von Wechselkursschwankungen und der Wertentwicklung Schweizer Aktien ab und zeigt die Gesamtrendite Schweizer Aktien im Verhältnis zu US-Aktien in CHF.

Anmerkungen: Das Diagramm zeigt die Differenz zwischen den annualisierten 10-Jahres-Gesamtrenditen europäischer Aktien (dargestellt durch den MSCI Europe Index) und US-amerikanischer Aktien (dargestellt durch den MSCI USA Index). Der „Währungseffekt“ bezeichnet den Einfluss von Wechselkursen auf Renditeunterschiede zwischen dem US- und dem europäischen Aktienmarkt. Für europäische Anlegerinnen und Anleger lässt sich dieser Unterschied am besten anhand der Differenz zwischen dem MSCI USA Index in US-Dollar und dem gleichen Index in EUR veranschaulichen. Anlegerinnen und Anleger können nicht direkt in Indizes investieren.

Quellen: Berechnungen von Bloomberg und Vanguard in EUR; Stand: 29. April 2025.

Währungsabsicherung ist kein Allheilmittel

Dollar-Schwankungen sind für Anlegerinnen und Anleger aus mehreren Gründen relevant, je nach ihren persönlichen Zielen, ihrer Risikotoleranz und ihrem Standort. Ein „Hedging“ von Währungsrisiken mag auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, ist jedoch kein Allheilmittel, denn Währungsabsicherungen sind als Schutz gegen kurzfristige Volatilität gedacht. Langfristig können sie teuer werden und zulasten der Rendite gehen.

Anlegerinnen und Anlegern, die langfristig Vermögen aufbauen oder erhalten wollen, empfehlen wir daher, nur globale Anleihen abzusichern und bei globalen Aktien auf eine Absicherung von Wechselkursrisiken zu verzichten. So können sie die Diversifizierungsvorteile (sowohl durch die Aktien selbst als auch durch Währungsschwankungen) nutzen und gleichzeitig sicherstellen, dass die Volatilität der eines vergleichbaren Vermögenswertes in Landeswährung entspricht.

Alternativ können sie das Risiko von Wechselkursschwankungen über Devisenterminkontrakte absichern, die in der Regel eine Laufzeit von einem bis drei Monaten haben. Das Problem: Als Schutz gegen gleichzeitige Verluste durch fallende US-Aktienkurse und eine Dollar-Abwertung eignen sie sich nur begrenzt.

Warum? Weil die Futures entsprechend teuer sein dürften, wenn die Märkte eine Abwertung des US-Dollar während der Laufzeit der Kontrakte erwarten. Eine Währungsabsicherung lohnt sich in diesem Szenario nur dann, wenn die Dollar-Abwertung während der Laufzeit der Futures die eingepreisten Prognosen übersteigt.

Für einen längeren Absicherungszeitraum müssen die Terminkontrakte „gerollt“, also in neue Kontrakte umgewandelt werden, in denen zum Zeitpunkt des Rollens auch aktualisierte Abwertungsprognosen eingepreist sind. Im Ergebnis würden Anlegerinnen und Anleger daher mit Absicherung wahrscheinlich ähnliche Renditen erzielen wie ohne Absicherung.

Warum der Dollar-Höhenflug kaum anhalten dürfte

Nach einem starken Jahrzehnt ist der US-Dollar nach unserer Einschätzung heute im Vergleich zu fünf anderen führenden Währungen angemessener bewertet. Zu Beginn des letzten Jahrzehnts war der Greenback zunächst unterbewertet, wertete jedoch durch Kapitalzuflüsse in den US-Aktienmarkt nach und nach auf.

Das Kapital, das durch die überdurchschnittliche Kursentwicklung von US-Aktien angelockt wurde, hat nicht nur den US-Dollar gestärkt, sondern auch zu der deutlichen Überbewertung von US-Aktien beigetragen.

Europäische Anlegerinnen und Anleger können sich aus unserer Sicht jedoch nicht länger darauf verlassen, dass der Dollar ihre US-Aktienrenditen zusätzlich stützt.. Das Ende des Dollar-Höhenflugs und die nach wie vor teuren Bewertungen am US-Aktienmarkt sind der Grund für unsere mageren Renditeprognosen für ungesicherte US-Aktien: In den kommenden zehn Jahren erwarten wir Renditen von 4,4 bis 6,4% (in Basiswährung Euro; Stand: 30. April 2025).

Nach einem starken Jahrzehnt liegt der US-Dollar innerhalb unserer fairen Wertspanne

Zeigt die Wertentwicklung des US-Dollar (USD) von 1990 bis 2022 im Vergleich zu seiner „Fair-Value“-Spanne. Die dunkle blaugrüne Linie bildet den tatsächlichen Dollar-Wert ab, der hellgraue Bereich die Fair-Value-Bandbreite. Der Titel des Diagramms zeigt an, dass der US-Dollar nach einem Jahrzehnt hoher Bewertungen wieder in seiner Fair-Value-Spanne liegt. Das Diagramm zeigt die Schwankungen der US-Währung seit 1990 und verdeutlicht Phasen von Über- und Unterbewertungen.

Zeigt die Wertentwicklung des US-Dollar (USD) von 1990 bis 2022 im Vergleich zu seiner „Fair-Value“-Spanne. Die dunkle blaugrüne Linie bildet den tatsächlichen Dollar-Wert ab, der hellgraue Bereich die Fair-Value-Bandbreite. Der Titel des Diagramms zeigt an, dass der US-Dollar nach einem Jahrzehnt hoher Bewertungen wieder in seiner Fair-Value-Spanne liegt. Das Diagramm zeigt die Schwankungen der US-Währung seit 1990 und verdeutlicht Phasen von Über- und Unterbewertungen.

Anmerkungen: Die Grafik zeigt unsere Fair-Value-Schätzung für den US-Dollar gegenüber einem nach der Aktienmarktkapitalisierung gewichteten Währungskorb aus Euro, japanischem Yen, britischem Pfund, kanadischem Dollar und australischem Dollar. Die Fair-Value-Schätzung beruht auf dem Anteil der Wechselkursbewegungen, der sich durch Unterschiede in der relativen Wirtschaftskraft, gemessen an der Produktivität (kaufkraftbereinigtes BIP pro Kopf) und den langfristigen realen Zinssätzen, erklären lässt.

Quellen: Berechnungen von Vanguard in US-Dollar, basierend auf Daten vom 30. April 2025, mit Fair-Value-Schätzwerten vom 31. März 2025. Datenquelle: Refinitiv und Internationaler Währungsfonds.

In einer globalen Wirtschaft, in der Kapital relativ frei zirkulieren kann, fließt Geld tendenziell in die produktivsten Länder, weil es dort die höchsten Erträge erzielen kann. In den vergangenen Jahren hat dies den Bewertungen von US-Aktien Auftrieb gegeben, die Effektivzinsen von US-Anleihen gedeckelt und den US-Dollar gestärkt.

Vorteile globaler Diversifizierung

Die aktuelle Schwäche des US-Dollar verdeutlicht die Bedeutung eines ausgewogenen und diversifizierten Portfolios. Wertet der Dollar ab, müssen andere Währungen logischerweise aufwerten. Diversifizierung über verschiedene Assetklassen (Aktien und Anleihen), aber auch innerhalb dieser Assetklassen (Stile, Sektoren und Länder), kann die Portfoliovolatilität reduzieren.

Währungsschwankungen sind ein natürlicher Bestandteil des globalen Wirtschaftszyklus, und Diversifizierung kann dazu beitragen, Risiken zu reduzieren und langfristige Wachstumschancen auszuschöpfen.

Quelle: https://www.de.vanguard/professionell/insights/was-die-dollar-schwache-fur-anlegerportfolios-bedeutet?cmpgn=ET0525DEBANWL0003DE&fbclid=IwY2xjawKT3-FleHRuA2FlbQIxMAABHgZ-jkygfPGoSrt2Lqkr0Z58O-UpnrkMe-YXI_oExy9tKkVvLJqDWSST0qV1_aem_lkb0O1z_tiF9lWhBYJ0v-A